SONDERBERICHT: SV REMSHALDEN ÜBERRAGT ALLE

Es gibt Mannschaften in der Württembergliga, die auf dem Papier über einen besseren Kader verfügen, als die Handballer der SV Remshalden. Und dennoch hat es keine geschafft, ihnen das Wasser zu reichen. Bereits fünf Spieltage vor Schluss machte die SVR den Staffelsieg und den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga perfekt. Eine überragende Leistung.

Vor dem letzten Spieltag in der Staffel Nord, dem Derby bei den SF Schwaikheim, hat Remshalden nur fünf Minuspunkte auf dem Konto. Zuletzt gewann das Team 18 Spiele in Folge, in der Rückrunde gab es ausschließlich Siege. Und zu Hause ist die SVR seit jetzt zwei Jahren ungeschlagen. Angesichts dieser Zahlen klingt das Ziel, das sich die Handballer vor der Saison gesetzt hatten, geradezu putzig. Im oberen Tabellendrittel wollten sie landen.

Weil die SVR in der Vorsaison, nach dem Abstieg aus der BW-Oberliga, erst in der Relegation am Wiederaufstieg gescheitert war, hatte sie diesmal viele Konkurrenten als einen der Ligafavoriten gesehen. Dennoch bleibt Coach Alexander Schurr bei seiner Meinung, es sei richtig gewesen, sich nicht selbst als Aufstiegsanwärter zu positionieren. „Wir hatten keine Mannschaft, die über den anderen steht.“ Zwar gebe es mit Hendrik Wiesner und Oliver Ruge bei der SVR zwei Spieler mit Liga-Topniveau. „Aber wir haben auch über zwei Jahre acht, neun Spieler eingebaut, die aus der A-Jugend oder der Bezirksliga kamen.“

Woran liegt es also, dass Remshalden die Staffel derart dominiert hat und nun gegen den TV Weilstetten um den Titel des württembergischen Meisters spielen darf? Schurr, der sich selbst als sehr ehrgeizig bezeichnet, nennt mehrere Faktoren. „Wir haben in der Vorbereitung und im Training während der Runde mehr gemacht als andere. Deshalb haben wir eine sehr fitte Truppe.“ Zudem stellte die SVR die mit Abstand stärkste Abwehr inklusive Torhüter. Für Schurr jedoch am wichtigsten: In Remshalden gebe ein ganz besonderes Miteinander in der Mannschaft und im Verein. Auch als der Coach zunächst seinen Vertrag verlängerte, sich aber dann doch dazu entschied, nach der Saison den Karrieresprung zum SV Kornwestheim, der in die 3. Liga aufsteigt, zu wagen, blieb alles ruhig.

Als Knackpunkt der Saison nennt der Trainer die kurze Schwächephase zwischen dem siebten und neunten Spieltag, in der es Verletzungssorgen gab. Auf das 26:31 bei der abstiegsbedrohten HSG Schönbuch folgten ein Mit-Ach-und-Krach-Heimsieg gegen Altensteig (28:27) und eine weitere Pleite in Leonberg (25:28). „Aber dann haben wir gelernt, mit Ausfällen umzugehen.“ Torgarant Wiesner glänzte mit Topleistungen, doch auch andere Spieler drehten auf. Schurr verweist etwa auf Marvin Klein, Carsten Röhrle und Uli Seybold. „Da wusste ich, wenn die Verletzten zurückkommen und die in die Bresche Gesprungenen ihr Niveau halten, haben wir ein gutes Paket auch in der Breite.“ Genau so kam’s.


Nach der der englischen Woche ist der Aufstieg greifbar nah

Als Remshalden in der Rückrunde die englische Woche mit den Schlüsselspielen beim Tabellenzweiten Neckarsulm (30:26), bei der SG BBM Bietigheim II (32:22) und zu Hause gegen den TSV Schmiden (32:21) ohne Verlustpunkt hinter sich gebracht hatte, war der Aufstieg greifbar nah. „Wir wollten es aber auf keinen Fall auf die Spiele in Bittenfeld und in Bottwartal ankommen lassen.“ Wegen dieses Drucks seien die Partien in Altensteig und am fünftletzten Spieltag gegen Leonberg die schwierigsten der Saison gewesen. Doch Remshalden biss sich durch und sicherte damit vorzeitig Staffelmeisterschaft und Aufstieg.

Der Titel des württembergischen Meisters wäre das Sahnehäubchen. Nach neun Jahren, zunächst als Spieler und Jugendtrainer, gefolgt von zwei Spielzeiten als Trainer der Männer, wird der 36-jährige Alexander Schurr dann Remshalden verlassen. Er gehe mit viel Wehmut. „Ich habe jedes Jahr hier genossen und bin als Spieler und Trainer aufgestiegen. In keinem Verein war ich länger.“ Dennoch sei die Entscheidung, jetzt den nächsten Schritt zu wagen, richtig. „Es ist gut, mit einem Erfolg zu gehen. Und ich denke, die BWOL ist das Höchste der Gefühle für Remshalden. Ich traue der Mannschaft mit dem neuen Trainer Frederick Griesbach aber zu, in der Liga zu bestehen.“

  Autor des Artikels: Zeitungsverlag Waiblingen /   Erstellt am: 27. April 2017